Es muss nicht immer Holacracy sein
Das Magazin PAGE 9/2016 berichtet
über Selbstorganisation in Agenturen

Erschienen in PAGE 9/2016 (S. 102/103)www.page-online.de
Von Angelika Eckert.

(...) In der Corporate-Design-Agentur wirDesign mit Sitz in Braunschweig und Berlin hatte der Vorstand schon länger das Gefühl, dass man zugunsten der Kunden schneller werden müsste. 2015 folgten dem Wunsch dann Taten. »Durch den Berater Niels Pfläging und sein Buch "Organisation für Komplexität" (www.nielspflaeging.com) sind wir auf diese Form der Umstrukturierung gekommen«, sagt Vorstand Andreas Schuster. Nach einer neunmonatigen Phase, in denen Berater und Vorstand im häufigen Austausch mit den rund 70 Mitarbeitern standen, haben sich diese im Dezember 2015 nach gemeinsam erarbeiteten Prinzipien in hierarchiefreien, kleinen Teams zusammengefunden.


Dabei sollten die Gruppen – das zeigte sich bei wirDesign schnell – nicht mehr als sieben Personen haben, damit sich weder Hierarchien noch feste Strukturen bilden. Die Teams arbeiten autark, werden also nicht von außen gesteuert. Ihre Zusammensetzung und der Arbeitsprozess sind angelehnt an das agile Projektmanagement, mit Kanban-Boards und Scrum-Sessions wie Stand-up-Meetings. Die ehemaligen Chefs bleiben in der Rolle als Mentoren auch künftig ansprechbar, doch sollen Kundenfragen möglichst direkt dort beantwortet werden, wo sie ankommen, und nicht zunächst durch Hierarchien wandern.


Andreas Schuster ist sich sicher: »Zu diesem Wandel gehört ein sehr positives Menschenbild, wir haben großes Vertrauen in unsere Mitarbeiter.« Chefs, die sich für allwissend halten, werden eben schnell zum Flaschenhals. Seit dem Change im Dezember 2015 seien die Mitarbeiter zufriedener, glücklicher und produktiver, weil sie selbstbestimmt arbeiten, so Schuster: »Sie haben wache Gehirne, aus denen gute Ideen sprudeln. Und wir leben davon, Ideen und Lösungen zu verkaufen.« In die Zukunft blickt wirDesign nun sehr entspannt. Hat ein Team die Größe von acht Leuten erreicht, gibt es eine Zellteilung und es entsteht ein neues Team. »Vor Expansion haben wir keine Angst mehr. Wir sind gut aufgestellt«, lacht der Berliner Ex-Chef, der genau weiß, dass eine Struktur, die Arbeiten auf Augenhöhe fördert, die künftige Arbeitswelt bestimmen wird.