ReportingNews #33 | Dezember 2015

Dynamic Reporting:
Eine neue Welt?

 

Im Interview:
Thorsten Greinus
Creative Director
t.greinus [at] wirdesign [dot] de

Im Interview zur Zukunft des Reportings: wirDesign Creative Director Thorsten Greinus. Seit September 2015 unterstützt der Kommunikations-Designer die Agentur mit seiner Expertise in den Bereichen Brand Identity, Brand Design und Reporting, insbesondere bei Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten. Neben seiner Tätigkeit bei Klaar Design in Hamburg war er neun Jahre Creative Director und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung beim Reportingspezialisten Kirchhoff Consult in Hamburg und München. Wir unterhalten uns mit ihm über verändertes Nutzerverhalten, crossmedialen Content und den Mehrwert der neuen Berichtsformen.

ReportingNews (RN): Informationssuchende verbringen täglich etwa sechs Stunden im Internet. Dem gegenüber steht, dass ein Geschäftsbericht gerade einmal durchschnittlich drei Minuten der Aufmerksamkeit eines Lesers für sich verbuchen kann. Wenn man diese Zahl betrachtet: Lohnt sich überhaupt der Aufwand eines formatübergreifenden Berichtskonzepts?

Thorsten Greinus (TG): Tatsächlich genießen gedruckte Geschäftsberichte derzeit noch »Artenschutz im Blätterwald«. Allerdings ist die Antriebsfeder der digitalen Kommunikation der Wunsch nach schneller Verfügbarkeit, Relevanz und Aktualität von Informationen. Das schließt auch die Finanz- und Nachhaltigkeitskommunikation ein. Gerade hinsichtlich eines veränderten Leser- und Nutzerverhaltens bieten digital oder interaktiv aufbereitete Geschäfts- oder Nachhaltigkeitsberichte im Vergleich zur reinen Printversion enormen Mehrwert.

 

RN: Wie sieht dieser Mehrwert für den Nutzer aus?

TG: Trockene Inhalte lassen sich per Animation oder als Filmbeitrag aktiver und merkbarer vermitteln. Anders als im Print geht es um die Interaktion und die Option, einem nicht fest vorgegebenen Pfad des Lesens folgen zu müssen. Der Leser geht intuitiv und interessengesteuert vor. Der Reiz liegt in der Aktivierung einer Animation oder dem Abspielen eines Films. Spannende Themen, herausragendes Bildmaterial, filmische Beiträge sowie eine gelungene Benutzerführung werden so zu einem Markenerlebnis verquickt.

 

RN: Ohne Frage, das mobile Infotainment boomt. Aber reichen die Anforderungen an das Reporting und die Ansprüche der Zielgruppen nicht darüber hinaus?

TG: Die intelligente Verzahnung der Medien bietet eine Vielzahl redaktioneller und gestalterischer Möglichkeiten. Eine übergeordnete Strategie und die Relevanz der Inhalte wiegen jedoch mehr als die Technologie dahinter. Je nach inhaltlicher Zielsetzung eines Unternehmensberichts gilt es, unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. Kapitalmarktthemen können von Inhalten zur unternehmerischen Verantwortung oder Employer Branding flankiert werden. Die crossmediale Aufbereitung und das Content Marketing haben sich als Disziplinen etabliert und beeinflussen somit auch das Reporting. Sukzessive bilden sich neue Berichtsformen heraus. Neben der gedruckten Publikation und den klassischen Investor-Relations-Seiten sind Microsites, mobile Anwendungen, Smartphone- und Tablet-Applikationen oder Blogs zusätzliche Verbreitungsarten.

 

RN: Ein ganzes Orchester neuer Berichtsformen.

TG: Ja, aber die Verantwortlichen müssen sich fragen: Welche Kommunikationskanäle passen zu meinem Unternehmen? Den individuellen Nutzen herauszustellen, die Bedürfnisse der Zielgruppen zu erkennen und den geeigneten Kommunikationskanal inhaltlich und visuell angemessen zu bespielen, das sind die Voraussetzungen für anhaltenden Erfolg im Bereich der dynamischen Finanzkommunikation.

 

RN: Was wären mögliche Ansatzpunkte für ein dynamischeres Reporting?

TG: Müssen Analysten beispielsweise den kompletten Jahresbericht zur Arbeitsstätte tragen? Macht es nicht mehr Sinn, wenn sie online auf bestimmte Kapitel direkt zugreifen könnten? Was wäre, wenn Texte und Kennzahlen in Echtzeit aktualisiert werden könnten? Und wie wäre es, wenn – analog zu den Pflichtinhalten – gleichzeitig ergänzende Beiträge aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Human Resources oder den sozialen Netzwerken einfließen – angereichert durch Studien, Präsentationen oder Pressemitteilungen?

RN: Haben Sie weitere konkrete Anregungen für die Berichtsverantwortlichen?

TG:

  • Bauen Sie einen Spannungsbogen auf, der die Auseinandersetzung mit dem Unternehmen nicht abreißen lässt.
  • Bieten Sie Funktionen, die auf den Leser eingehen und ihm die Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration seines persönlichen Reports geben.
  • Bieten Sie Anreize, die auf weitere Angebote, Inhalte und Publikationen verweisen und erleichtern Sie den Nutzern den Zugang z. B. über Verlinkungen.
  • Lassen Sie keine Umwege zu. Führen Sie Ihre Leser auf direktem Weg zum Ziel. Mit kurzen Botschaften, einer klaren Sprache und mit so wenig Klicks wie möglich.
  • Straffen Sie die Inhalte und halten Sie es übersichtlich. Flankieren Sie Ihre Inhalte mit relevanten Service-Angeboten. Bieten Sie Mehrwert.
  • Unterschätzen Sie nicht die Gestaltung. Ein klares und reduziertes Design ist nicht nur zeitgemäß, es lenkt auch nicht von den Inhalten ab.

RN: Das alles klingt nach unzähligen Optionen in der neuen Welt des Reportings.

TG: So reizvoll die neuen Möglichkeiten im Dynamic Reporting auch sein mögen: Mit zunehmender Etablierung neuer Technologien werden sich die Absender entscheiden müssen, welche Kommunikationskanäle sie bespielen möchten. Der Aufwand der Datenaufbereitung für unterschiedliche Kommunikationswege ist nicht zuletzt mit Kosten verbunden. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich eine intensive Auseinandersetzung mit den Zielgruppen sowie mit dem Abrufverhalten der Stakeholder. Bei der Wahl der geeigneten Kanäle wird es auf den Mehrwert für die Zielgruppen ankommen.

 

RN: Lieber Thorsten Greinus, vielen Dank für das Interview.

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