ReportingNews #38 | Oktober 2016

BILANZ Wettbewerb:
Der beste Geschäftsbericht

Schon seit 1996 gibt es den Wettbewerb »Der beste Geschäftsbericht«. Dabei werden die Druckwerke der wichtigsten börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland genau unter die Lupe genommen. Welche Unternehmen informieren ihre Anleger am besten? Was sind die wichtigsten Tendenzen in diesem Jahr?

Zuallererst die Gewinner: Die ersten Plätze der Investor-Relations-Auszeichnung belegen dieses Jahr die adidas AG (Kategorie DAX), die United Internet AG (Kategorie Tec-DAX), die DMG MORI AG (Kategorie M-Dax) sowie die Wüstenrot & Württembergische AG (Kategorie S-DAX). Der von wirDesign konzipierte und gestaltete Bericht für die Rational AG belegte in der Kategorie S-Dax den dritten Platz.

Arno Balzer, Herausgeber BILANZ:

Die Beziehungen börsennotierter Unternehmen zu ihren Anlegern sind in den vergangenen Jahren immer mehr in den öffentlichen Fokus gerückt, wie wir auch in BILANZ regelmäßig berichtet haben. Ein Geschäftsbericht, der die Lage des Unternehmens umfassend transparent macht und den strategischen Kurs einordnet, kann hier für Vertrauen sorgen. Diejenigen Geschäftsberichte, die das besonders gut machen, haben wir auch dieses Jahr wieder ausgezeichnet.

Was ist typisch für die Siegerberichte?

Wissenschaftlicher Leiter des Wettbewerbs ist Professor Jörg Baetge von der Universität Münster. Im Magazin »Going Public« nennt er drei wichtige Punkte: »In solchen Druckwerken finden Anleger ein hohes Maß an Informationsbereitschaft, das weit über das gesetzlich geforderte Maß hinausgeht.« Dies zeige sich auch darin, dass diese Unternehmen viele quantitative Angaben veröffentlichen würden. »Zudem gibt es umfangreiche Erläuterungen, die die Unternehmensentwicklung aufzeigen und auch die Ursachen benennen«, sagt Baetge. Außerdem sei für die Berichterstattung der Besten typisch, dass sie publizierte Informationen durch Abbildungen, Übersichten, Diagramme oder Tabellen veranschaulichen und in Bezug zu den Vorjahresangaben setzen würden. »So bekommen Anleger einen Überblick über die zeitliche Entwicklung wichtiger Wirtschaftsdaten«, erläutert Baetge. Denn: »Ein Bild oder eine Tabelle sagt mehr als tausend Worte«.

Schwachstelle Prognosebericht

Viele Geschäftsberichte haben aber noch Defizite: »Im Konzernlagebericht bleibt der Prognosebericht ein Sorgenkind«, weiß Dr. Benedikt Wünsche, Geschäftsführer der Baetge Analyse. »In keinem anderen Teilbericht ist die Spreizung zwischen guter und schlechter Berichterstattung größer.« Im Konzernlagebericht gebe es zum Teil erhebliche Verbesserungspotenziale in den Bereichen Strategie, Unternehmenssteuerung, Forschung und Entwicklung sowie im Nachtragsbericht. Im Konzernanhang identifizierten die Prüfer Schwachstellen bei den Darstellungen zu Tochtergesellschaften und nicht konsolidierten Unternehmen. »Zu wenig Auskunft gibt es oft über die bilanzierten immateriellen Vermögenswerte, vor allem bei Geschäfts- oder Firmenwerten«, weiß Wünsche.

Ungleiche Voraussetzungen

Wie groß sind die Qualitätsunterschiede in den einzelnen Indizes? »Man kann schon von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sprechen«, so Wünsche. An der Spitze des Rankings liegen ausschließlich Unternehmen aus DAX und MDAX. Diesen Konzernen stehen in der Regel deutlich mehr Ressourcen und auch ein großes Budget für die Berichterstattung zur Verfügung. »Während DAX-Unternehmen oftmals ganze IR-Teams beschäftigen, die nur Berichterstattung und Geschäftsbericht machen, müssen die Verantwortlichen der SDAX- und TecDAX-Unternehmen oft noch andere Aufgaben erledigen«, weiß Wünsche. Selbst die Besten aus SDAX- und TecDAX kommen deshalb im Wettbewerbsvergleich nicht über eine durchschnittliche Bewertung hinaus.

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