ReportingNews #40 | März 2017

CCR-Studie: Wie wertvoll ist Integrated Reporting?

Unternehmen geben Best Practice Einblicke

Integrated Reporting ist zweifelsohne eines der Themen, die in der Corporate Reporting Community intensiv diskutiert werden. Doch woher rührt dieser Hype? Um dies herauszufinden hat das Center for Corporate Reporting (CCR) in Zürich gemeinsam mit der Universität Leipzig ein Forschungsprojekt initiiert, bei dem es um die Umsetzung und die Vorteile von  aus der Unternehmensperspektive geht.

Über die Studie

Im Zeitraum Dezember 2015 bis April 2016 wurden individuelle Experteninterviews mit Corporate Reporting Verantwortlichen aus 13 internationalen Unternehmen geführt (Bayer, DSM, EnBW, exxaro, JLL, Munich Airport, Novo Nordisk, Novozymes, Palfinger, PPR, SAP, Standard Bank, Takeda), darüberhinaus mit den Verantwortlichen aus vier Beratungsunternehmen (BSD, EY Switzerland, EY UK, Pauffley & Company). Zur Zeit der Umfrage hatten bereits alle Unternehmen Integrated Reporting in ihrem Hause implementiert. Sponsor der Studie war das CCR Unternehmensmitglied Clariant International.

 

CCR-Logo

Die Studie zeigt, dass die Umsetzung von »IR« auf zwei Ebenen angegangen wird: als Veränderungsprozess auf der strategischen Managementebene und als Berichterstattungsprozess auf operativer Ebene. Auf beiden Ebenen gibt es Argumente für und gegen die Umsetzung.

Aus der Perspektive des Managements wird die Umsetzung von »IR« durch die Einführung von Integrated Thinking vorangetrieben. Unternehmen profitieren von verbesserten Informations- und Datenzugängen, fortschrittlichen Entscheidungsunterstützungssystemen und einer ganzheitlichen Sicht auf das Unternehmen. Diese Erkenntnisse ermöglichen eine zukunftsorientierte Haltung und eine solide strategische Entscheidungsfindung. Das Risikomanagement kann verbessert werden durch die Hervorhebung der wechselseitigen Abhängigkeiten im Wertschöpfungsprozess. Da eine erhöhte Transparenz zu einer besseren Bewertung von Chancen und Risiken führt, ist es für das Management einfacher, die strategischen Ziele danach auszurichten.

Die Unternehmen berichten sowohl über eine erneute Anerkennung und ein verbessertes Verständnis des Wertschöpfungsprozesses als auch eine erhöhte Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Durch die Offenlegung der Werttreiber und die Analyse der Wertschöpfungskette wird der individuelle Beitrag jeder einzelnen Ebene und jeder Abteilung hervorgehoben und wertgeschätzt. Durch die Verknüpfung von finanziellen und nicht-finanziellen Vermögenswerten ermöglicht »IR« eine ganzheitliche Darstellung des Unternehmens, die wiederum den Stakeholdern die Werttreiber verdeutlicht. Der Status als Pionier auf dem Gebiet des Integrated Reportings in Kombination mit der erhöhten Transparanz kann sowohl das öffentliche Image verbessern als auch das Vertrauen der Stakeholder und der Investoren erhöhen.

Gegen die Einführung von »IR« sprechen solche Argumente wie der interne Widerstand aus bestimmten Bereichen oder durch einige Mitarbeiter oder auch Widerstand gegen die Veränderungen, hervorgerufen durch die  -Implementierung. Als eine weitere Schattenseite wurden die höheren Kosten genannt und die Anforderungen an die Ressourcen auf jeder einzelnen Unternehmensebene, zurückzuführen auf einen Mangel an Erfahrung und einen Anstieg an Vorschriften. Weiterhin führt ein höherer Grad an Transparenz zu potenziellen neuen Risiken für das Unternehmen aufgrund der Offenlegung von negativen Aspekten und den entsprechenden Verantwortlichkeiten.

Ein integrierter Bericht kann das Reporting optimieren, z. B. ermöglicht er es mehreren Abteilungen, auf interdisziplinärer Ebene zusammenzuarbeiten, Informationen zu teilen und so Synergien zu schaffen. Er kann das Verständnis und die Kenntnisse der Gesamtgesellschaft und der verschiedenen Abteilungen erweitern. Ein positives Ergebnis des Implementierungsprozesses ist eine Stärkung des internen Dialogs über die Abteilungsgrenzen hinaus. Die Einführung von kann auch die Ressourceneffizienz steigern, da Finanz-, Nachhaltigkeits- und Governance-Berichte zusammengeführt werden (bis hin zu Produktions- und Vertriebskosten). Operative Entscheidungsprozesse werden aufgrund einer verbesserten Konsistenz in einzelnen Berichten über die Wertschöpfungskette des Unternehmens beschleunigt. Der integrierte Bericht kann auch die externe Kommunikation durch die Bereitstellung eines einheitlichen Instruments für verschiedene Stakeholder und durch die Offenlegung von relevanten Informationen und Verbindungen zu der Finanzgemeinschaft erleichtern. Der integrierte Bericht befriedigt das Bedürfnis der Anleger nach einem ganzheitlichen Bild des Unternehmens, um eine einfachere und umfassendere Bewertung zu ermöglichen.

Auf der anderen Seite kann die Einführung von »IR« zu schwerwiegenden Änderungen und einer längeren Implementierungsperiode führen. Es kann sogar einige Jahre von der ersten Umsetzungsentscheidung bis zur Veröffentlichung des ersten Berichts dauern. Bei einer fehlenden Erfahrung in abteilungsübergreifender Zusammenarbeit ist eine enorme Koordinerungsanstrengung erforderlich. Im Allgemeinen werden die Ressourcenanforderungen als hoch wahrgenommen, obwohl jedes Unternehmen den Prozess aktiv gestalten und den Bericht nach unterschiedlichen Anforderungen bearbeiten kann. Um eine schrittweise Implementierung einer integrierten Berichterstattung zu ermöglichen, kann man auf bestehende Berichtsstrukturen und Prozesse aufbauen, die dann schrittweise angepasst und erweitert werden. Allerdings stimmten die Befragten zu, dass sie ohne Zögern erneut für die IR-Umsetzung entscheiden würden, wenn sie noch einmal vor die Frage gestellt würden.

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