Praxisreport: Das Team ist der Chef
wirDesign in der PAGE 02/2019

 

Wie lassen sich Agenturen so organisieren, dall alle eigenverantwortlich, interdisziplinär und partnerschaftliche zusammenarbeiten können? Das Magazin PAGE stellt in seinem Praxisreport "Das Team ist der Chef" verschiedene Ansätze vor  –  unter anderem die neue Organisationsform von wirDesign.

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Von Nina Kirst, Veröffentlichung in PAGE 02/2019 - S. 92-96

Die Designagentur wirDesign in Braunschweig und Berlin hat sich für den radikalen Wandel entschieden: Seit 2016 arbeitet die Agentur in selbstorganisierten Teams, die Vorstandsebene fungiert »nur« noch als Dienstleister für ihre Mitarbeiter und bietet Expertenwissen auf Nachfrage. Finanzvorstand Andreas Schuster hat die Entscheidung nie bereut: »Wir fragen uns eher, warum wir das nicht schon viel früher gemacht haben.«

Heute arbeiten bei wirDesign acht Teams mit vier bis sieben Mitarbeitern, die sich komplett selbst verantworten – inklusive Kalkulation. Es herrscht aber Konsultationspflicht: Bevor eine Entscheidung fällt, muss ein jeweiliger Experte befragt werden. Bei Finanzthemen ist das Schuster, der die Teams zudem regelmäßig darüber informiert, wie sie finanziell dastehen.

Transparenz ist für mich die Voraussetzung dafür, dass die Teams sich selbst steuern dürfen. Ein toller Nebeneffekt dabei: Alle Mitarbeiter entwickeln dadurch wirtschaftliches Denken.

Eine Organisation mit rund 90 Mitarbeitern lässt sich nicht von heute auf morgen umkrempeln. Bei wirDesign steckte ein ausgeklügelter Change-Prozess dahinter, für den sich die Agentur Unterstützung vom Managementberater Niels Pfläging holte. Laut Schuster waren dabei vor allem zwei Faktoren erfolgsentscheidend: transparente Kommunikation und der Experimentcharakter der Umstellung. 

Ein Steuerkreis, bestehend aus den (damals noch) Führungskräften sowie wechselnden interessierten Mitarbeitern beriet sich über die geplanten Veränderungen und tauschte sich in Tandemgesprächen mit den Kollegen aus. Diese konnten sich quasi ein Mittagessen mit zwei Mitgliedern des Steuerkreises »buchen«, den neuesten Stand abfragen und sich mit eigenen Vorschlägen – und Bedenken – einbringen. Insgesamt dauerte die Kommunikations- und Beratungsphase rund ein Jahr. Und dann wandte die Führungsriege einen Trick an: Statt von Veränderung zu sprechen – einem Begriff, der oft negativ behaftet ist, auch weil er impliziert, dass etwas schlecht läuft – nannten sie die Umstellung nach dem Konzept von Pfläging schlicht »Flip«. Nach dem Motto: Wir machen das jetzt einfach mal – zurück können wir immer noch. Auch jede weitere Veränderung heißt seither Flip.

Das neue Modell bedeutet eine deutliche Abkehr vom traditionellen Bild des Konzernlenkers – für Schuster vor allem eine Erleichterung. »In komplexen Organisationen gibt es kaum eine Entscheidung, die uneingeschränkt positiv ist. Aber vom Management wird erwartet, das es alles weiß und die perfekte Lösung hat. Bei unangenehmen Nebenwirkungen steht der Vorstand dann als Depp da.« Heute entwickeln die wirDesign-Chefs Lösungen gemeinsam mit den Mitarbeitern. Dabei erleben die Teams, wie komplex Entscheidungswege sein können – und tragen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen selbst. Das nimmt Druck von den Chefs, fördert die Mitarbeiter und sorgt für ein gemeinschaftliches Miteinander. Das gelte übrigens auch für die Zusammenarbeit mit Kunden. Diese sei sogar der Ausschlaggeber für die Umstellung auf die hierarchiefreie Struktur gewesen, sagt Schuster:

Wir wollten die Voraussetzungen schaffen, gemeinsam mit dem Kunden schneller bessere Lösungen zu entwickeln. Das ist viel einfacher, wenn alle Ebenen auf Augenhöhe eng zusammenarbeiten. Das merken und schätzen unsere Auftraggeber.

Ohne den Zusammenhalt innerhalb der Agentur sei eine derartige Umstellung nicht möglich: »Wenn es ehemalige Führungskräfte gibt, die das System boykottieren, hat man keine Chance«, ist Schuster überzeugt. Gegangen ist bei wirDesign seit der Umstellung niemand – es kommen vielmehr neue Mitarbeiter dazu, die sich aufgrund der Struktur für die Agentur entscheiden, und damit sogar mitunter gegen andere, lukrativere Angebote. 

Anita Lüder-Bugiel

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