ReportingNews #61 | Oktober 2019

Integrierte Finanzkommunikation: Wie IR und Corporate Communications zusammenarbeiten

 

Mit Finanzkommunikation beschäftigen sich klassischerweise die Abteilungen Investor Relations (IR) und Corporate Communications (CC). Eine Studie des Center for Research in Financial Communication zeigt nun, wie es um die Kooperation und Koordination zwischen den beiden Abteilungen steht. Mit welchen Zielen, wie intensiv und mit welchen Mitteln stimmen sich die Funktionen ab? Was wissen sie voneinander, wo kommt es zu Konflikten und wie können sie gelöst werden?

Hier geht es zum ganzen Artikel von Prof. Dr. Christian P. Hoffmann und Sandra Binder-Tietz (beide Center for Research in Financial Communiation) in der Reporting Times 15/2019

Wer spricht mit wem?

Die Untersuchung macht eine klare Aufgabenteilung im Hinblick auf die Zielgruppen deutlich: Journalisten werden vorrangig durch die Corporate Communications (79,9 %) bedient, während der Kontakt zu Analysten (100 %), Investoren (100 %) und Stimmrechtsberatern (96,1 %) ausschließlich von der Investor Relations wahrgenommen wird. Reporting-Aufgaben, wie Präsentationen zu Geschäftszahlen (65,6 %) oder Geschäfts- und Quartalsberichte (57,9 %), liegen tendenziell eher im Bereich der IR.

Zusammen an einem Strang

Es gibt allerdings auch Situationen oder Bereiche, in denen beide Abteilungen intensiv kooperieren, wie z. B. bei M&A-Aktivitäten, bei einem Führungswechsel oder beim Coaching der Vorstandsvorsitzenden. Generell ist die Abstimmung zwischen den Funktionen sehr intensiv, sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Allerdings bestätigen nur 60,9 % einen hohen Abstimmungsgrad in Bezug auf die Strategie, die Abstimmung zu formalen Elementen (Corporate Design) fällt mit 46,9 % noch weiter ab.

Gemeinsames Ziel?

Besonders interessant ist, dass das Feld mit Blick auf eine strategische Integration gespalten ist: 35,2 % der Unternehmen haben keine abteilungsübergreifenden Ziele für die Finanzkommunikation festgelegt. Immerhin 30,5 % der Befragten geben dagegen an, dass die mittel- bis langfristigen Ziele der Finanzkommunikation »ziemlich stark« über beide Abteilungen hinweg abgestimmt sind.

Unterschiedliche DNA von Investor Relations und Corporate Communications

IR und CC haben häufig unterschiedliche Prioritäten, was zu Reibungen führen kann. Während die Corporate Communications eher aktiv Geschichten platzieren möchte, liegt der Investor Relations eher an einer zurückhaltenden, dafür langfristig konsistenten Kommunikation. Die IR-Befragten wünschen sich daher tendenziell mehr Abstimmung als die CC: 40,5 % der IR-Abteilungen sagen, dass die Kooperation stärker sein sollte, während 73,5 % der CC-Abteilungen den Austausch als ausreichend intensiv empfinden.

Fazit

In der Finanzkommunikation ist es eine besondere Herausforderung, die beiden beteiligten Kommunikationsfunktionen mit »einer Stimme« sprechen zu lassen. Trotz insgesamt häufiger Abstimmung fehlt es meist an strategischer Integration und formalisierter Koordination. Gerade angesichts der kulturellen und disziplinären Unterschiede zwischen IR und CC stimmt dies bedenklich. Ein ermutigendes Ergebnis andererseits: Für beide Seiten lohnt es sich, enger und stärker integriert zu arbeiten – davon profitieren die Beteiligten intern und auch die jeweiligen Zielgruppen, mit denen der Dialog gepflegt wird.

Methodik

Grundlage der Studie sind 14 qualitative Interviews mit Vertretern von Aktiengesellschaften aus dem DAX und MDAX sowie eine quantitative Befragung von 148 Unternehmen aus Deutschland (DAX, MDAX, TecDAX, SDAX und Prime Standard), Österreich (ATX) und der Schweiz (SMI).

Die vollständige Studie ist zum Download verfügbar unter:

financialcommunication.org 

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