ReportingNews #63 | Mai 2020

Bayer: Erste virtuelle Hauptversammlung eines DAX-Konzerns.
Pros & Cons

Kompliment! Während viele andere Konzerne und Unternehmen ihre Aktionärs-Hauptversammlung um Monate verschoben haben, hat Bayer, Corona trotzend, den angekündigten Termin gehalten und die Hauptversammlung (HV) von der Halle kurzfristig ins Netz verlegt. »C19-AuswBekG« ist das Kürzel für das Ende März beschlossene Gesetz, das diese »Versammlung ohne Versammlung« erstmalig ermöglichte. Sicherlich wurde es als erstes Muster der neuen Art von vielen mit Spannung erwartet und begutachtet. Wie ist es also vor zwei Wochen gelaufen?

»Technik top, Austausch flop«, so könnte man die unterschiedlichen Stimmen zusammenfassen. Der technische Aufwand und die Vorbereitung bei dem Switch von der analogen zur virtuellen HV darf nicht unterschätzt werden. Hier hat sich Bayer sehr professionell geschlagen. Wie vielen anderen kommt den Unternehmen hier aber auch schon die Erfahrung vergangener Jahre zugute, denn dass die HV größtenteils ins Netz übertragen wird, ist ja kein Novum. Allerdings – um bei der jetzt Corona-bedingten Ausschließlichkeit nur online zusammenzukommen, muss die Technik zu 100 Prozent stabil sein, mehr als nur ein Fall-back-System ist da ratsam. Nicht auszudenken, welche z. B. rechtlichen Konsequenzen es hätte, bliebe der Bildschirm draußen bei den Aktionären auch nur eine kurze Zeit schwarz und stumm. Das alles hat wunderbar geklappt, auch das im Nachgang auf der IR-Seite von Bayer angebotene Doku-Material zur HV in Audio- oder Videoformaten hinterlässt einen guten Eindruck. Sogar ein Making-of bietet der Konzern auf Youtube dazu an, auch wenn dieses eher werblich und wenig informativ daherkommt, so lässt es doch etwas von der Komplexität und ungewöhnlichen Atmosphäre erahnen.

Zum Making-of der Bayer HV 2020 auf YouTube 

Ist virtuell also die neue Zukunft? Würstchen und Kartoffelsalat ade? Hier ist doch einige Skepsis angebracht. Denn der tiefere Sinn einer HV ist ja gerade der Austausch, das Nachfragen, die Diskussion. Gerade hier zeigten sich insbesondere die Aktionärsvertreter wie Markus Dufner (Dachverband der Kritischen Aktionäre) oder Marc Tüngler (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) unzufrieden. Denn alle Fragen mussten bis spätestens zwei Tage vor der HV eingereicht sein, ohne z. B. die Reden und Beiträge der Bayer-Führungsmannschaft vorab zu kennen. Das ist gesetzeskonform, so ist es auch in der o. g. neuen Verordnung festgelegt, aber eine echte Debatte über kritische Punkte kann so schwerlich aufkommen. Auch wenn der Vorstand den Fragenkatalog ordentlich abgearbeitet hat, aus Bayer-Sicht verlief diese HV erfreulich ruhig. Hier gibt es wohl nur zwei Möglichkeiten: Gesetz und Technik müssen weiterentwickelt werden oder wir kehren doch zurück zu analogem Würstchen und Kartoffelsalat.

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