Einblicke

Interview zum kombinierten Jahres- und Nachhaltigkeitsbericht der EB

Geschrieben von wirDesign | 7. Juli 2026

Das Interview öffnet einen Blick hinter die Kulissen des ersten kombinierten Jahres- und Nachhaltigkeitsberichts der Evangelischen Bank. Es macht erlebbar, wie aus dem Wunsch nach mehr Relevanz und Transparenz ein ganz neues Verständnis von Jahres-, Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung online entsteht – mit spürbarem Transformationsschub für Inhalte, Redaktion und Strategie.

Im Gespräch wird deutlich, wie konsequent die Evangelische Bank klassische Berichtsmuster hinter sich lässt und integriertes Denken in ihrer Kommunikation verankert. Das Interview zeigt, warum kombiniertes Reporting weit mehr ist als ein neues Format: Es wird zum Instrument, um komplexe gesellschaftliche Entwicklungen einzuordnen – vom Klimawandel über den Fachkräftemangel bis hin zur Transformation der Sozialwirtschaft.

Die Beteiligten machen anschaulich, wie integrierte Kommunikation konkret gelingt, welche strategische Kraft im Schritt zur kombinierten Berichterstattung steckt und welches Zukunftspotenzial darin liegt. Unter dem Leitmotiv »Brücken bauen« werden zentrale Themen aus Umwelt, Sozialem und Governance verbunden und die Rolle der Evangelischen Bank im aktuellen Diskurs scharf konturiert. 

Den Weg dorthin zeichnen die Verantwortlichen der Evangelischen Bank gemeinsam mit den Expert*innen der betreuenden Agentur wirDesign nach und geben Einblicke in ihre jeweiligen Perspektiven auf Strategie, Inhalt und Gestaltung:

  • Carolin Caliebe, Abteilungsleiterin Corporate Communications, Evangelische Bank

  • Dr. Astrid Herrmann, Direktorin CSR & Sustainable Finance, Evangelische Bank

  • Andreas Köster, Manager Nachhaltigkeitskommunikation und Pressesprecher, Evangelische Bank

  • Annette Bartsch, Account Management und Projektsteuerung, wirDesign

  • Thorsten Greinus, Creative Director, wirDesign


 

Warum überhaupt ein kombinierter Bericht?

Was war der inhaltliche und strategische Anspruch, der zur Entscheidung für eine kombinierte Berichterstattung geführt hat?

Carolin Caliebe:

»Unser Anspruch war es, die Realität unseres Geschäftsmodells konsequent abzubilden. Für uns gehören wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltige Wirkung untrennbar zusammen – und genau das wollten wir auch in der Berichterstattung sichtbar machen. Strategisch ging es darum, weg von parallelen Erzählsträngen hin zu einer integrierten Perspektive zu kommen: also nicht mehr Finanzzahlen hier und Nachhaltigkeit dort, sondern ein gemeinsames Verständnis von Wertschöpfung. Gleichzeitig war es uns wichtig, die Komplexität nicht zu erhöhen, sondern besser zu strukturieren. Der kombinierte Bericht ist deshalb auch ein Beitrag zur Klarheit – für all unsere Stakeholder.«

 

Warum ist es gerade jetzt wichtig, finanzielle Perspektiven und Nachhaltigkeitsaspekte gemeinsam zu betrachten?

Astrid Hermann:

»Weil die Realität genau so funktioniert. Klimawandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt, demografische Entwicklungen oder regulatorische Veränderungen haben längst wirtschaftliche und damit finanzielle Auswirkungen. Gleichzeitig beeinflussen finanzielle Entscheidungen die gesellschaftliche und ökologische Entwicklung. Wer diese Wechselwirkungen verstehen möchte, kann die Themen nicht mehr getrennt betrachten. Gerade für eine werteorientierte Bank ist es wichtig, diese Zusammenhänge transparent zu machen.«

 

Was hat sich durch den kombinierten Ansatz intern am stärksten verändert?

Andreas Köster:

»Vor allem die Zusammenarbeit: Wir haben uns nicht mehr nur in der Theorie – also im Denken und auf strategischer Ebene –, sondern nun auch ganz praktisch auf den Weg gemacht, Finanz- und Nachhaltigkeitsperspektive zusammenzuführen. Die Frage lautete nicht mehr: ‚In welchen Bericht gehört das?‘, sondern: ‚Welche Geschichte erzählt dieser Aspekt im Gesamtkontext der Bank?‘ Das war ein wichtiger Perspektivwechsel.«

 

Vom Perspektivwechsel zur Umsetzung

Wenn sich mit dem Perspektivwechsel auch der Blick auf Berichterstattung verändert hat: Welche Impulse und Erkenntnisse aus dem Projekt können auch für andere Organisationen relevant sein?

Carolin Caliebe:

»Wir verstehen uns nicht als Vorbild – das wäre zu weit gesprungen. Aber wir möchten Impulse geben und zeigen, wie integrierte Kommunikation praktisch umgesetzt werden kann. Wenn andere Organisationen daraus Anregungen für ihre eigene Berichterstattung gewinnen, freut uns das sehr.«

Thorsten Greinus:

»Drei konkrete Anregungen drängen sich zudem auf: Erstens braucht integriertes Reporting eine klare thematische Klammer, die unterschiedliche Daten- und Perspektivwelten zusammenführt. Zweitens entsteht Relevanz dann, wenn Inhalte bei den Herausforderungen der Zielgruppen beginnen und nicht zuerst bei der Organisation selbst. Und drittens verändert wirkungsorientiertes Denken die Art des Erzählens: Themen werden nicht isoliert dargestellt, sondern entlang von Wirkungsketten – von der Finanzierung über die konkrete Wirkung bis hin zum gesellschaftlichen Nutzen.«

Annette Bartsch:

»Aus Agentursicht ist die kombinierte Berichterstattung auch ein Organisationsprojekt, kein reiner Formatsprung. Entscheidend ist, früh eine gemeinsame Zielsetzung für den Bericht zu klären und einen interdisziplinären Prozess aufzusetzen. Ebenso wichtig ist eine klare Projektarchitektur mit definierten Verantwortlichkeiten und Meilensteinen, damit die Inhalte und Berichtselemente stringent zusammengeführt werden.«

 

Welche Elemente des Berichts haben aus eurer Sicht das größte Potenzial, künftig weitergeführt oder weiterentwickelt zu werden?

Andreas Köster:

»Das integrierte Konzept ist definitiv langfristig angelegt – hier wird es für uns keine Rückkehr zum Status quo ante geben. Hinzu kommen die Verknüpfungen von Bank-, Kunden- und gesamtgesellschaftlichen Themen, der Einsatz der Marginalien oder auch die wirkungsstarke Inszenierung von Kennzahlen sowohl aus Finanz- als auch Nachhaltigkeitsperspektive. Hier sehen wir großes Potenzial für die Weiterentwicklung in den kommenden Jahren.«

 

Andreas hat die Marginalien bereits angesprochen: Worum handelt es sich und wie ist dieses Konzept entstanden?

Thorsten Greinus:

»Damit Nachhaltigkeit nicht als separates Themenfeld erscheint, sondern als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sichtbar wird, brauchte es auch in der Gestaltung ein durchgängiges Prinzip. Genau daraus ist das Marginalien-Konzept entstanden. Es begleitet die Inhalte als zusätzliche Ebene, verknüpft Nachhaltigkeitsaspekte mit Finanzinformationen, strategischen Aussagen und Wirkungsbezügen und schafft so Orientierung, ohne die Leseführung zu überfrachten.«

 

Unterstützt die inhaltliche Verknüpfung auch die Nachhaltigkeitsstrategie der Evangelischen Bank?

Astrid Hermann:

»Ich würde es eher so formulieren: Nachhaltigkeit wird dadurch auch nach außen als das erkennbar, was es für uns schon immer war: nicht als separates Themenfeld, sondern als integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Der Bericht macht sichtbar, wie Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftliche Ziele miteinander verbunden sind und wie wir Verantwortung entlang unseres gesamten Geschäftsmodells verstehen.«

 

Gesellschaftliche Debatten und integrierte Erzählweise

Welche aktuellen Entwicklungen oder Diskussionen haben die Berichtsinhalte besonders geprägt?

Andreas Köster:

»Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahre waren natürlich sehr präsent. Themen wie gesellschaftlicher Zusammenhalt, die Transformation der Wirtschaft oder die Herausforderungen aus demografischer Entwicklung und Fachkräftemangel haben den Bericht stark beeinflusst. Wir wollten zeigen, welche Rolle die Evangelische Bank in diesen Debatten einnimmt und welchen Beitrag sie leisten kann.«

 

Wo gelingt es im Bericht besonders gut, entlang dieser Debatten Brücken zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Perspektiven zu schlagen?

Astrid Hermann:

»Bereits unser Dachkapitel ‚Vernetzt handeln‘ macht die zentralen Zusammenhänge deutlich. Aber auch überall dort, wo es um unser Kerngeschäft geht, werden Brücken erkennbar: Finanzierungen und Investments haben immer wirtschaftliche Ziele, entfalten aber zugleich soziale und ökologische Wirkungen. Genau diese parallel verlaufenden Entwicklungen, Abhängigkeiten oder manchmal auch Wechselwirkungen werden im Bericht an vielen Stellen hervorgehoben. Dort zeigt sich, dass Nachhaltigkeit kein Zusatz ist, sondern integraler Teil des Geschäftsmodells.«

 

Welche Idee steckt hinter dem Dachkapitel »Vernetzt handeln«?

Thorsten Greinus:

»Wie Astrid angedeutet hat, sollte ‚Vernetzt handeln‘ genau diese Zusammenhänge nicht nur benennen, sondern dem Bericht auch eine klare dramaturgische Klammer geben. Das Kapitel übersetzt die Verbindung von wirtschaftlicher Stabilität, ökologischer Verantwortung und sozialer Wirkung in eine übergreifende Erzählperspektive. So wird der Bericht nicht als linearer Rückblick gelesen, sondern als Einladung, Zusammenhänge zu erkennen und Verantwortung vernetzt zu denken.«

 

Wo lagen die größten Herausforderungen, diese unterschiedlichen Dimensionen in ein konsistentes Gesamtkonzept zu bringen?

Annette Bartsch:

»Die größte Herausforderung lag darin, sehr unterschiedliche Logiken in eine gemeinsame Struktur zu überführen: klassische Jahresberichterstattung, wirkungsorientiertes Nachhaltigkeitsreporting und zugleich der Anspruch an eine gut lesbare, journalistische Erzählweise. Dafür brauchte es früh eine gemeinsame Storyline und eine enge Zusammenarbeit zwischen inhaltlichen, strategischen und gestalterischen Perspektiven. Die eigentliche Aufgabe bestand also darin, Komplexität sichtbar zu machen, ohne sie kompliziert wirken zu lassen.«

 

Gab es Momente, in denen Zielkonflikte zwischen den Dimensionen sichtbar wurden?

Thorsten Greinus:

»Ja, und genau das war auch wichtig. Wenn wirtschaftliche, ökologische und soziale Perspektiven zusammen erzählt werden, werden Spannungen zwangsläufig sichtbar – etwa zwischen wirtschaftlicher Rentabilität und langfristiger ökologischer Verantwortung oder zwischen sozialer Versorgungssicherheit und Kosten- beziehungsweise Effizienzdruck. Entscheidend war deshalb nicht, diese Zielkonflikte zu glätten, sondern sie nachvollziehbar zu machen.«

 

Viele der Themen liegen in der DNA der Evangelischen Bank – wie gelingt es, diese Haltung im Bericht glaubwürdig sichtbar zu machen?

Carolin Caliebe:

»Indem wir nicht nur über Werte sprechen, sondern zeigen, wie sie unser Handeln prägen. Die Evangelische Bank versteht sich seit jeher als Partnerin für nachhaltige Transformation. Das wird beispielsweise bei unseren Finanzierungen, unseren Anlageentscheidungen oder unserem Engagement für soziale und ökologische Themen sichtbar. Der Bericht übersetzt diese Haltung in konkrete Beispiele, Kennzahlen und nachvollziehbare Zusammenhänge.«

 

Was sollen Leser*innen nach der Lektüre idealerweise mitnehmen?

Carolin Caliebe:

»Wir wünschen uns, dass sie die Evangelische Bank als eine Organisation wahrnehmen, die wirtschaftlichen Erfolg, gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Entwicklung gemeinsam denkt. Und dass sie erkennen: Die Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur bewältigen, wenn wir vernetzt handeln und Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven bauen. Und idealerweise bleibt noch etwas anderes hängen: der Eindruck, dass nachhaltige Finanzwirtschaft kein abstraktes Konzept ist, sondern konkret gestaltbar – und für uns gelebte Praxis.«

 

Über die Evangelische Bank
Die Evangelische Bank ist ein werteorientierter Finanzpartner mit christlichen Wurzeln. Sie gestaltet gemeinsam mit ihren Kund*innen in Kirche und Diakonie sowie der Gesundheits- und Sozialwirtschaft eine nachhaltig lebenswerte Gesellschaft. Um das zu erreichen, setzt die Bank auf ihr exzellentes Branchen-Know-how und bietet umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 8,83 Mrd. Euro gehört die Evangelische Bank zu den größten Kirchenbanken und Genossenschaftsinstituten in
Deutschland. Im Kerngeschäft finanziert die Evangelische Bank Projekte aus den Bereichen Gesundheit, Altenpflege, Jugend- und Behindertenhilfe, Bildung, bezahlbarer Wohnraum sowie privater Wohnbau und investiert in Vorhaben, Unternehmen und Institutionen, die für eine nachhaltig lebenswerte Gesellschaft einen positiven Beitrag leisten. Die Evangelische Bank richtet ihr unternehmerisches Handeln nach den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) und nach den anspruchsvollen EMASplus-Kriterien aus. 

 

👉 Zum Jahres- und Nachhaltigkeitsbericht 2025 der Evangelischen Bank

 

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