ReportingNews #31 | Juni 2015 | Expertenbeitrag

Nachhaltigkeitsmanagement 

Autor:
Joachim Schlange

Das Hamburger Unternehmen Schlange & Co. ist ein Marktführer in der Beratung zum Thema Nachhaltigkeit. Geschäftsführer Joachim Schlange beschreibt in seinem Beitrag die Notwendigkeit und Motivation für die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist heute ein essentielles Thema für Unternehmen, welches von allen Entscheidungsebenen und allen Geschäftsbereichen in Bezug auf Risikomanagement wie auch als Möglichkeit zur Differenzierung im Markt verstanden und entsprechend berücksichtigt werden sollte.

Obwohl Nachhaltigkeit heute ein omnipräsenter und sicherlich überstrapazierter Begriff ist, hat er doch eine sehr hohe und vermutlich bleibende Bedeutung für die Volkswirtschaft. Vergleichbar dem Managementansatz des Qualitätsmanagements oder der Orientierung auf Shareholder Value, welche Anfang der 90-iger Jahre eine breitere Aufmerksamkeit erfuhren, wird Nachhaltigkeit aus dem Alltag eines Unternehmens nicht mehr wegzudenken sein.

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft. Demnach darf nicht mehr Holz gefällt werden, als jeweils nachwachsen kann. »Nachhalten« bedeutet, »längere Zeit andauern oder bleiben«. Eine erstmalige Nutzung des Begriffes Nachhaltigkeit im Sinne eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource ist bei Hans Carl von Carlowitz 1713 in seinem Werk Sylvicultura oeconomica nachgewiesen. Carlowitz fragte »wie eine sothane [solche] Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltige Nutzung gebe / weil es eine unentbehrliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag«.

Notwendigkeit und Motivation

Mit Ende des Kalten Krieges, der Beseitigung von Handelsbarrieren und der damit im rasanten Tempo einhergehenden Globalisierung haben nahezu alle Bereiche der Wirtschaft einen Wechsel im Aufbau ihrer Wertschöpfungskette, d.h. Verkürzung der Fertigungstiefe und Diversifizierung in der Beschaffung, vollzogen. Unternehmen sind durch diese Veränderungen mit Nachhaltigkeits-Risiken konfrontiert worden, die ihnen zuvor entweder gänzlich unbekannt waren, die sie bewusst ignorierten oder mit denen sie nicht umzugehen wussten. Hinzu kommt, dass negative Schlagzeilen über unternehmerisches Fehlverhalten durch das Internet unmittelbar und weltweit bekannt werden, was der Reputation gerade von Markenanbietern erheblichen Schaden zufügen kann

Ökologie, Soziales, Ökonomie

Aktuell bezieht man sich für die Definition von Nachhaltigkeit auf den Brundtland–Bericht, der 1987 von der UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (»Brundtland-Kommission«) mit dem Titel »Our Common Future« (»Unsere gemeinsame Zukunft«) veröffentlicht wurde. Der Vorsitz dieser Kommission lag bei der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Nachhaltige Entwicklung wird demnach mit den 3 Säulen Ökologie, Soziales und Ökonomie beschrieben. Dieses Modell ist über die letzten 20 Jahre um die Themenfelder Governance und Philanthropie weiterentwickelt worden.

Vom Kann zum Muss

Die großen Treiber des Nachhaltigkeits-Themas sind heute neben den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zunehmend Kunden, der Kapitalmarkt, die Politik und Mitarbeiter – generell auch als Stakeholder (Anspruchsgruppen) bezeichnet.

Bisher verspürten insbesondere große, börsennotierte und bekannte Unternehmen seit geraumer Zeit die Notwendigkeit, sich strategisch, organisatorisch und kommunikativ auf Nachhaltigkeit auszurichten. Diese Entwicklung erstreckt sich nun auch sehr dynamisch auf KMUs. Zum einen liegt dies daran, dass jedes Unternehmen an irgendeiner Stelle Teil einer Lieferkette ist und in dieser Rolle mit zunehmender Dringlichkeit zur Bereitstellung von Informationen über das »Was« und »Wie« aufgefordert wird. Die Fähigkeit und Bereitschaft, detaillierte, aktuelle und belastbare Daten und Fakten über Inhaltsstoffe und Prozesse sowie Einhaltung von Gesetzen und Mindeststandards an seine Kunden geben zu können, kann zur Voraussetzung für langfristige Geschäftsbeziehungen werden. Einen zweiten Grund stellt die Initiative der EU-Kommission (Generaldirektion »Binnenmarkt und Dienstleistung«) zur Berichterstattung über Non-Financials dar. Danach sollen alle Organisationen in den 27 Mitgliedsländern ab einer bestimmten Anzahl von Mitarbeitern (>500 oder 1.000) und unabhängig von der Rechtsform zur Berichterstattung ab 2017 verpflichtet werden.

Vor dem o.g. Hintergrund ist allen Unternehmen egal welcher Branche, Größe und Rechtsform dringend zu empfehlen, sich ernsthaft mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeit ist mittlerweile keine Option mehr, sondern muss als eine Notwendigkeit zur Absicherung des Kerngeschäfts ebenso wie eine Möglichkeit zur Nutzung von Wettbewerbsvorteilen verstanden werden und sollte deshalb Eingang in die strategische, organisatorische und kommunikative Ausrichtung finden. 

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