ReportingNews #35 | Mai 2016 |

Deutsche Finanzkommunikation weit entfernt von Digitalisierung

Ergebnisse NetFederation IR Benchmark

Der IR Benchmark von NetFed ist eine in der Financial Community fest etablierte Studie zum jährlichen Status quo digitaler Finanzkommunikation. Das NetFed-Team analysiert seit 2003 die Investor-Relations-Websites und digitalen Aktivitäten der 90 kapitalstärksten deutschen Unternehmen aus DAX, MDAX, TecDAX und SDAX. Die Analyse deutscher IR-Websites zeigt, dass Unternehmen bereits mittelfristig ein ernsthaftes Problem haben, verschiedene Stakeholder und Investoren zu erreichen.

Digitalisierung? Fehlanzeige.

Aktuell prägen drei Trends die digitale Finanzkommunikation: Digitalisierung, Risk & Compliance sowie Behavioral Finance & Stakeholder. Die Studie fragt, wie fit die Unternehmen in diesen Themenfeldern sind. Das ernüchternde Ergebnis: Die meisten Unternehmen nutzen viele der zur Verfügung stehenden digitalen Möglichkeit nicht. Nur wenige optimieren ihre Inhalte für verschiedene Stakeholder, treten mit Investoren in den Dialog und nutzen die Potenziale digitaler Technik und Kommunikation.

IR-Profis werden gezwungen, mobiler zu denken. Denn egal, ob CFO, Analyst oder Investor: Kein Meeting findet statt ohne Smartphones auf dem Tisch. Responsives Design scheint also unerlässlich. Fakt ist jedoch, dass nur 56 % der IR-Websites mobil optimiert sind. Damit verpasst fast die Hälfte der Unternehmen den zeitgemäßen Anschluss an die Möglichkeiten und die Notwendigkeiten digitaler Kommunikation.

Auch die Ladezeiten sind der Untersuchung zufolge massiv verbesserungswürdig. Verlassen Besucher aus Ungeduld die Website eines Unternehmens, suchen sie jedoch woanders nach Informationen, wodurch IR_Abteilungen die Kommunikationshoheit verlieren.

Risk & Compliance

Laut Studie versäumen es viele Unternehmen, im Kontext der Finanzkommunikation über Nachhaltigkeit zu informieren: die wenigsten IR-Websites stellen einen Zusammenhang her zu Nachhaltigkeitsthemen oder -berichten. Dabei haben Investoren ein offenkundiges Interesse daran zu erfahren, wie sich Unternehmen strategisch aufstellen, welche Haltung sie haben und welche Strategie sie daraus Strategie ableiten.

Zwar äußern sich 84 % der Unternehmen über Governance, aber mit 41 % gibt nur eine Minderheit Informationen zu Compliance. Damit zeigen zu wenige IR-Abteilungen die komplexen Zusammenhänge auf. Auch wenn Compliance oft Teil der Governance ist, sollten Unternehmen die Chance nutzen, ihre Zielgruppen umfassender zu informieren. Gerade für Investoren sind umfassende Einsichten notwendig, wenn es um Risikomanagement geht.

Online-Geschäftsbericht

Der Geschäftsbericht ist das Herz der Finanzkommunikation eines Unternehmens. Er beinhaltet die relevanten Kennzahlen und gibt Ausblick über die Geschäftsentwicklung. Gerade hier müssen Unternehmen auf die Ansprüche web-affiner Zielgruppen eingehen und eine vollständige Berichterstattung in HTML liefern. So zumindest die Meinung der Studienautoren. Aber lediglich 45,6 % der Unternehmen bieten einen digitalen Geschäftsbericht. Und nur 27,8 % stellen eine mobile optimierte Version zur Verfügung.

Behavioral Finance & Stakeholder

Dieser Trend beschäftigt sich mit der Frage, wie Unternehmen ihre Handlungs- und Entscheidungsfreiheit in Fragen der Kapitalisierung erweitern. Stellen sie umfassende Informationen bereit und binden Social Media für den Dialog ein? Die Studie zeigt erstaunlicherweise das Gegenteil, Social-Media-Einbindungen sind im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig. Im letzten IR Benchmark waren noch 9 % der Unternehmen aus DAX, MDAX, TecDAX und SDAX in sozialen Netzwerken präsent, derzeit sind es nur noch 7,8 %.

Fazit

Wirtschaft, Arbeitsleben und Kommunikation finden zunehmend vernetzt und digitalisiert statt. Doch die Finanzkommunikation deutscher Unternehmen ist aktuell dabei, massiv den Anschluss zu verlieren. Statt die Potenziale digitaler Technik und Kommunikation zu nutzen, setzen sie auf PDF- und Printberichte, bieten keine Apps an und scheuen das Thema Social Trading. Viele IR-Websites machen es den unterschiedlichen Investorengruppen schwer, »mit« dem Unternehmen zu sprechen. Daher bleibt Investoren nichts anderes übrig, als »über« das jeweilige Unternehmen zu sprechen. Damit befindet sich der Investor (und mit ihm weitere Stakeholder) außerhalb der Einflusssphäre der Unternehmenskommunikation bzw. IR-Kommunikation.


Zu den ausführlichen Ergebnissen der Studie

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